Willkommen in Georgien

19. August – 20. August

Das Abenteuer beginnt mit dem Landeanflug auf Tbilisi. Staunend blickte ich durch das kleine Flugzeugfenster. Während des Fluges von Kiew nach Tbilisi war der Boden bis auf die Lampen einiger kleiner Dörfer dunkel. Aber jetzt erstreckte sich unter unserem Flugzeug ein Meer aus Lichtern. Am Flughafen wartete schon Levan, unser Landesmentor, der uns während des Jahres mit Rat und Tat zu Seite stehen wird, mit einem „Brot für die Welt“ Schild auf uns. Wir wurden auf zwei Taxen aufgeteilt und fuhren durch die nächtliche Stadt zu unserer Gastfamilie. Dies war schon ein Erlebnis an sich. Der Fahrer steuerte das Auto (ein aus Japan importierter Toyota mit Rechtslenkung) mit leicht überhöhter Geschwindigkeit durch die Straßen, vorbei am Freiheitsplatz und über den Rustaveli Boulevard in einen kleinen Vorort von Tbilisi, leicht außerhalb auf einer Anhöhe gelegen. Hier steht die Datscha unserer Gasteltern, in der wir, die sieben „Brot für die Welt-Freiwilligen“, eine kleine Wohnung haben. Für die ersten drei Wochen wird dies unser Zuhause sein.

Am nächsten Vormittag ging es erstmal in das kleine Stadtteilzentrum zum Einkaufen für die nächsten Tage. Hier fallen einem gleich die günstigen Preise für georgische Produkte auf, während importierte Waren aber vergleichsweise teuer sind. Trotzdem kostet eine Schachtel Zigaretten nur umgerechnet 1,50 Euro.

Gegen Nachmittag sind wir dann alle zusammen in das Stadtzentrum von Tbilisi gefahren. Nach den ersten zwei Serpentinen der Straße runter ins Tal bot sich uns ein atemberaubender Blick. Fast bis zum Horizont erstreckten sich die Plattenbausiedlungen und Trabantenstädte in einer Landschaft aus staubigen und sandigen Felsen. Als erstes besorgten wir uns alle Sim-Karten und Verträge fürs Internet zu für unsere Verhältnisse sehr niedrigen Preisen. Nach einem kurzen, aber in der hektischen und lauten Stadt stark an den Kräften zehrenden Spaziergang durch das Zentrum ging es für uns wieder nach Hause. Nach so vielen neuen Eindrücken, die alle erstmal verarbeitet werden müssen, sind wir todmüde in unsere Betten gefallen.

 

Herzlich Willkommen auf meinem Blog!

Mein Name ist Benedikt Brockow und auf dieser Seite möchte ich  über meinen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Georgien, der im August beginnt, berichten. Wie viele von euch sicher schon wissen, habe ich mich entschieden nach meinem Abitur ein Jahr ins Ausland zu gehen, um ein Land mit ganz anderen Lebensbedingungen kennenzulernen, Menschen mit einer anderen Kultur zu begegnen und neue Erfahrungen zu machen. Nach einiger Recherche habe ich mich bei „Brot für die Welt“ beworben. Die Organisation bietet Freiwilligendienste in verschiedenen Regionen an. Der Dienst wird durch das Programm weltwärts vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, durch kirchliche Mittel und Spenden finanziert.

Die Möglichkeit, den Freiwilligendienst in Georgien zu absolvieren, hat mich von Anfang an fasziniert. In weiten Teilen des Landes herrscht große Armut und das Land ist hin- und hergerissen zwischen russischen und europäischen Einflüssen. Im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion erlangte Georgien im Jahr 1991 seine Unabhängigkeit zurück. Seitdem hat der noch relativ junge Staat mit zahlreichen innenpolitischen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Dazu zählen Korruption, eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die nicht immer funktionierende Gewaltenteilung und eine gelegentlich eingeschränkte Pressefreiheit. Beispielsweise wurden unter Präsident Eduard Schewardnadse Hilfsgelder von EU und Weltbank in Millionenhöhe veruntreut. Nachdem durch die Rosenrevolution im Jahr 2004 Micheil Saakaschwili zum neuen Präsidenten gewählt worden war, bemühte sich die Regierung zunehmend, die Probleme im Land anzugehen. Gerade das fasziniert mich an dem Land so sehr. In den letzten Jahren hat Georgien große Fortschritte in Sachen Modernisierung und Entwicklung gemacht. Die Kriminalitätsrate ist rapide gesunken, es gibt so gut wie keine Korruption mehr, Wahlen laufen ohne größere Zwischenfälle ab, und dies sind nur einige Beispiele. Allerdings hat Georgien noch Großes vor. Eine überwältigende Mehrheit der Georgier träumt von einem Beitritt in die Europäische Union. Ohne Zweifel, dies liegt noch in weiter Ferne, trotzdem beeindruckt es mich, mit welcher Energie und Begeisterung die Georgier für dieses Ziel eintreten.

Meine Einsatzstelle in Georgien wird bei einer lokalen NGO sein. Ich werde für ein Jahr bei ICCN, dem „International Center on Conflict and Negotiation“, mitarbeiten.
Die Organisation hat sich die Förderung des gewaltfreien Dialogs zwischen den verschieden Konfliktparteien in der Kaukasusregion, wie beispielsweise die nach Autonomie strebenden Teile Georgiens Abchasien und Südossetien, zur Aufgabe gemacht. Auch die Stärkung von Zivilgesellschaft und Demokratie gehört zu den Zielen der Organisation. Eine meiner Aufgaben dort wird es voraussichtlich sein, die Kosten bewaffneter Konflikte, mit denen einer friedlichen Konfliktlösung zu vergleichen.
Vor der Ausreise nehmen alle Freiwilligen von „Brot für die Welt“ an einem zweiwöchige Seminarteil. Dort werden wir uns mit der eigenen sowie der fremden Kultur im Gastland auseinandersetzen und uns die neue Aufgabe vorbereiten. Auch Gespräche und der Austausch mit zurückgekehrten Freiwilligen sowie mit Freiwilligen aus den Gastländern, die in Deutschland einen ähnlichen Dienst absolvieren, (Süd-Nord Freiwillige) wird es geben.

Ein großer Teil der für meinen Freiwilligendienst anfallenden Kosten, wie zum Beispiel Flug, Unterkunft und die Seminare in Deutschland, werden von „Brot für die Welt“ getragen. Als Stiftung ist diese Organisation auf Spenden angewiesen. Damit auch weiterhin Freiwillige mit der Unterstützung von „Brot für die Welt“ ins Ausland reisen können und ein Teil der Kosten für mein Auslandsjahr gedeckt werden kann, bitte ich  um einmalige oder auch regelmäßige Spenden. Mit einem Klick auf den Link gelangt man zum Spendenformular, das dann ausgefüllt an Brot für die Welt gesendet wird. Für jegliche Unterstützung möchte ich mich schon jetzt bedanken. Während meines Freiwilligendiensts werde ich auf diesem Blog immer wieder Impressionen aus meinem täglichen Leben in Georgien sowie Informationen über meine Arbeit bei ICCN geben. Damit ihr keine Blogeinträge verpasst, könnt ihr diesen Blog ganz leicht abonnieren. Dazu reicht es, wenn ihr auf den „Folgen“ Button am Rand klickt und eure E-Mail-Adresse eingebt. Bei Fragen und Anregungen findet ihr hier ein Kontaktformular oder ihr schreibt mir auf Facebook beziehungsweise auf WhatsApp.

Bis zu meinem nächsten Blogeintrag!

Viele Grüße

Benedikt